16 Kinder schnupperten beim Wiesbadener DHC erstmals Hockeyluft
Wiesbadener Tagblatt
29. Juli 2006
Man braucht wirklich nicht nach Südamerika oder Asien zu reisen, um zu erfahren, was ein „indisches Dribbling“ oder eine „argentinische Rückhand“ sind. Schließlich haben Kinder im Ferienprogramm der Stadt Wiesbaden Gelegenheit zu erfahren, was es denn mit diesen Begriffen auf sich hat.
„Die rechte Hand tiefer“, schallt es immer wieder über den Hockeyplatz des DHC Wiesbaden. Dass die Kinder den Ball mit dem Schläger beim Workshop in der Hollerbornstraße auf diese Weise wesentlich besser kontrollieren können, sitzt zwar noch nicht am ersten Tag, doch Stephan Wisseborn und seine Mitstreiter können schon nach kurzer Zeit große Fortschritte erkennen. „Die Kinder sind wissbegierig, größtenteils sehr talentiert und haben einen enormen Bewegungsdrang“, stellt zum Beispiel Diplom-Sozialpädagogin und Hockeytrainerin Anja Tillmanns fest, die den 16 Teilnehmern dieses Angebots des Ferienprogramms bei großer Hitze die Feinheiten des Hockeysports, aber auch die Regeln der Fairness näher brachte und den Kindern immer wieder eindrucksvoll erläuterte, was Teamgeist bedeutet. Und so entstand aus den sechs- bis neun jährigen Hockeyanfängern binnen drei Tagen eine Truppe, die nicht nur den Umgang mit der kleinen weißen Kugel, sondern auch untereinander nahezu perfektionierte.
Beim Auftakt am vergangenen Montag halten die Kinder erwartungsvoll Schläger und Ball in der Hand und wollen so schnell wie möglich das Spiel erlernen, das für einige von ihnen eine ganz neue Erfahrung bedeutet. Nachdem sie in Gruppen aufgeteilt sind, erklären die Übungsleiter um Jugendleiter Ersin Yurtöven zunächst die richtige Handhabung von Schläger und Ball. Danach werden kleine Übungen zur Ballbehandlung gemacht und oft ist von den Betreuern zu hören: „Der Schläger muss am Ball bleiben!“
An einem schattigen Plätzchen erklärt Stephan Wisseborn den Kindern die Aus-rüstung, die vor blauen Flecken schützt, schließlich kann der Ball bis zu bis zu 180 Stundenkilometer schnell werden. Zudem erfahren sie, was besagtes „indisches Dribbling“ oder eine „argentinische Rückhand“ sind. Große Augen machen die Kinder auch, als sich drei der angehenden Hockeycracks die Torwartausrüstung anziehen dürfen. „Das ist ja heiß unter dem Helm“, staunt etwa die siebenjährige Yasna. Aber auch Paul (9) und Till (8), die die Montur ebenfalls ausprobieren, kommen gehörig ins Schwitzen – nicht allein wegen der großen Hitze, sondern wegen des nicht minder anstrengenden Programms. „Es macht zwar einen Riesenspaß, aber ein bisschen kühler könnte es schon sein“, schnauft Fabian (9) nach einer Trainingseinheit und freut sich auf die verdiente Pause im DHC -Vereinsheim.
Hier warten schon die rührige Ute Kern sowie Clubwirt Günter Arndt, die die Kinder mit Essen und kühlen Getränken versorgen und immer wieder kleine Überraschungen parat halten. Und die Kleinen haben sichtlich Spaß an dem Hockey-Projekt: „Hier ist es ja total dufte. Ich kann mir jetzt vorstellen, in diesem Verein weiterzuspielen“, freuen sich Sebastian (6) und Kenan (8) schon auf die Zeit nach den Ferien, wo sie ins Mannschaftstraining einsteigen wollen.
„Die Kinder müssen langsam an das Spiel herangeführt werden und dabei Spaß haben“, erläutert Jörn Schleifer, der ebenfalls ehrenamtlich seine Zeit opfert. „Hockey ist ein sehr erfolgreicher Sport, aber leider nicht so bekannt“, betont er. Daher freue er sich, dass so viele Kinder die Möglichkeit nutzten, einmal Hockey auszuprobieren. „Natürlich freuen wir uns auch über Neuzugänge“, so Schleifer, aber in erster Linie wolle er ebenso wie seine Mitstreiter den Kindern den Spaß am Sport vermitteln. „Was sie dann aus ihren Erfahrungen machen, liegt an ihnen beziehungsweise an ihren Eltern.“
Neue Erfahrungen mit Kindern können die DHC -Jugendtrainer bereits ab kommenden Montag machen, wenn dann 19 Zehn- bis Zwölfjährige im zweiten Teil des Workshops wieder für ein gewaltiges Gewusel auf dem Hockeyplatz am Kleinfeldchen sorgen werden.
